»Heimkommen« von Lara   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.06.2018 gesendet.
Wenn ich abends heim komme, bin ich oft total platt. Erstmal kommen dann die Schuhe runter und ich zieh mir eine gemütliche Hose an. Wenn ich Glück hab, ist noch etwas vom Mittagessen im Kühlschrank. Das beste Gefühl kommt aber erst danach: Ich chill mich aufs Sofa, schau fern, hör Musik oder les was. Das ist Heimkommen für mich.
Zuhause bin ich da, wo ich ich selber sein kann. Wo keiner danach guckt, wie ich rumlaufe. Es gibt eine Geschichte, da gehts auch ums Heimkommen. Sie steht in der Bibel. Eine bestimmte Szene daraus erinnert mich an dieses „Zuhause-Sein“. Ein kaputter Typ kommt nämlich nach Hause. Er war lange unterwegs. Er stinkt und hat kein Geld mehr. Er wollte auch eigentlich nichts mehr von seiner Familie wissen. Aber in diesem bestimmten Moment rennt er heim.
Er will dort wieder zuhause sein. Er selber sein. Sein Papa freut sich, dass er wieder da ist.
»Müll-Inseln« von Christina   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 18.06.2018 gesendet.
Bei Inseln denke ich an Sand und Palmen. An das Meer, Korallen und Fische. Es gibt aber auch eine Insel, die ist ganz anders. Die treibt in den Ozeanen und ist echt mega groß. Ein siebter Kontinent quasi. Klingt erstmal wie aus einem Fantasyfilm geklaut. Ist es aber nicht. Es gibt diese Insel tatsächlich. Allerdings ist es keine normale Insel. Es ist eine Insel aus Plastikmüll.
Im Fernsehen hab ich Bilder davon gesehen. Ich war echt geschockt, wie groß die ist. Solche Bilder machen mich echt fassungslos. Klar weiß ich, dass wir Müll produzieren. Und, dass Plastik inzwischen fast überall ist. Ich muss mich ja nur bei mir Zuhause umschauen: Stifte, Verpackungen, Einkaufstüten. Alles aus Plastik.
An der Plastikinsel sehe ich aber, wie groß das Problem tatsächlich ist. Ganz am Anfang hat Gott die Menschen beauftragt, auf die Erde aufzupassen. Das will ich machen und damit verhindern, dass diese Plastikinsel noch größer wird. Das heißt für mich, dass ich zumindest versuche weniger Plastikmüll zu produzieren. Klar, das ist oft nicht einfach. Aber wenn jeder nur ein bisschen weniger Plastikzeug kauft, wird es ja insgesamt auch weniger.
»Zumutbar« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.06.2018 gesendet.
Ich bin letztens bei Freunden zu Besuch gewesen – und dann krank geworden. Ich hab hohes Fieber bekommen und die ganze Zeit gehustet. Echt unangenehm. Ich habe dann einfach nur nach Hause gewollt, was aber in dem Moment nicht ging. Es ist zu weit weg gewesen.
Ich glaube, das ist mir so unangenehm, weil ich das Gefühl habe, ich mute mich meinen Freunden zu. Ich zerstöre ein schönes gute Laune Wochenende und bremse sie aus. Und sie müssen sich jetzt um mich kümmern.
Dabei gehört es zum Leben mit dazu. Ich bin nicht immer gesund, ich habe nicht immer gute Laune und ich stehe auch mal völlig aufgelöst neben mir. Aber genau in solchen Momenten ist es in Ordnung, mich auch jemanden zumuten. Ich funktioniere einfach nicht immer alleine. Ich brauche manchmal jemanden, der mir einen Tee kocht oder mich in den Arm nimmt. Das ist menschlich.
Ich habe gemerkt, dass ich ein bisschen Mut brauche, mich vor anderen zerbrechlich und schwach zu zeigen. Dafür ist es umso schöner zu sehen, dass es den Freunden gar nichts ausmacht. Sondern sie gerne für mich da sind. Egal ob krank oder gesund: Ich bin zumutbar.
»Porzellan-Ballerina« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.06.2018 gesendet.
Meine Oma hat mich angerufen. Ich soll unbedingt bald bei ihr vorbeikommen. Sie wird bald sterben und möchte mir noch ein paar Dinge von ihr schenken. Damit ich etwas von ihr habe, wenn sie mal nicht mehr da ist. Und ich soll mir jetzt was aussuchen. Nach dem Anruf gehe ich im Kopf ihre Einrichtung und Deko durch… die kitschige Porzellan-Ballerina, das Engelchen mit den dicken Pausbacken. Mir fallen lauter Dinge ein, die ich potthässlich finde - an denen meine Oma aber hängt.
Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Tue ich ihr den Gefallen und nehme etwas mit, das ich vermutlich entsorgen werde? Oder versuche ich ihr zu erklären, dass ihre Dinge einfach nicht zu mir passen.
Ich würde ihr gerne klarmachen, dass ich sie und meine Erinnerungen an sie in meinem Herzen weitertrage. Ich brauche dafür nichts von ihrer Deko. Für mich sind es eher Fotos, die mich an eine schöne Zeit mir ihr erinnern. Wenn sie mit mir in der Stadt unterwegs gewesen ist und mir als ich Kind war, einfach so eine wunderschöne Puppe geschenkt hat. Oder mich mit Süßigkeiten verwöhnt hat.
Ich hoffe, ich habe den Mut, ihr das zu erklären. Wichtiger als der Platz für ein Kitsch-Engelchen bei mir im Regal ist doch der Platz in meinem Herz.