»Konsumverhalten« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.11.2017 gesendet.
Ich weiß, es klingt schrecklich pathetisch: Ich wünsche mir, dass ich die Welt ein kleines bisschen verbessern kann. Und ich glaube, es gibt ein paar Bereiche, in denen ich wirklich etwas verändern kann. Ich bin zum Beispiel ein absoluter Kaffeejunkie – mittlerweile habe ich mir angewöhnt, nur noch fair produzierten Kaffee zu trinken. Mir ist es einfach wichtig, dass faire Arbeitsbedingungen herrschen und Produkte nachhaltig produziert werden.
Trotzdem merke ich, dass ich das noch nicht überall umsetze. Letztens habe ich mich zum Beispiel dabei erwischt, wie ich beim Sale voll in Rausch geraten bin. Es sind viele Schnäppchen in meinem Kleiderschrank gelandet. Wirklich gebraucht habe ich die Sachen nicht.
Mich ärgert das selber. Denn dadurch unterstütze ich, dass Kleidung als Wegwerf- und Billigware produziert wird. Es kann nicht sein, dass ich eine Jeans für 10 Euro bekomme. Ich fürchte, allein für den Stoff müsste ich schon mehr bezahlen, ganz zu schweigen vom Lohn für die, die die Baumwolle ernten, weben und eine Jeans draus nähen. Dabei geht es auch anders:
Wenn ich einen Teil meiner überflüssigen Kleidung der Kleiderkammer spende und anfange, in fair produzierte Klamotten zu investieren, oder wenn mir das zu teuer ist, durch Second-Hand Läden zu stöbern – dann setze ich mich für Nachhaltigkeit ein. Das macht mich langfristig mit mir selbst zufriedener.
»Gemeinsame Sache« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 15.11.2017 gesendet.
Mein Kumpel hat Geburtstag und wir gehen in eine Bar – gemütlich was trinken. Die Stimmung ist mega gut und wir beschließen spontan zusammen in einen Club zu fahren. Wir kommen rein und sind auf der Tanzfläche nicht allein. Wir sind hier, weil wir heute Geburtstag feiern, die anderen feiern vielleicht eine bestandene Prüfung oder verbringen einfach die Zeit mit ihren Freunden. Und machen Party. Aber alle die hier sind, wollen einen schönen Abend verleben. Ich finde das schön: wir feiern und tanzen. Heute Abend sind wir eine große Gemeinschaft, weil wir diese Zeit zusammen erleben.
Das mag jetzt vielleicht etwas schräg klingen, aber so was wünsche ich mir für meine Religion auch. Zum Beispiel wenn es bei uns in der Stadt einen Studentengottesdienst gibt. Da gehe ich gerne hin. Statt einer langen Predigt gibt es dort ein paar klare kurze Worte. Und die Gebete sind so, dass ich sie verstehe. Das gefällt mir, weil ich mich verstanden fühle, mit dem, was mich beschäftigt. Das tut mir gut. Ich kann hier Trost finden, wenn ich traurig bin. Ich werde ernst genommen, wenn ich Zweifel habe. Ich kann zeigen, dass ich fröhlich bin. So etwas wünsche ich mir öfter. Dass die Leute im Gottesdienst eine große Gemeinschaft sind und dass man das auch merkt. Dass ich in dieser Zeit erleben kann, dass ich nicht alleine bin mit meinem Glauben an Gott.
»Entschuldigung« von Anna R.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.11.2017 gesendet.
Wenn wir uns streiten, sag ich manchmal ganz schön fiese Sachen zu meinem Freund. Zum Beispiel, dass er nie Zeit für mich hat. Ich bin wütend und weil ich genau weiß, dass ihn das trifft, rutscht es mir in dem Moment einfach raus. Wenn mir das passiert, bereue ich es immer sofort. Ich schäme mich total für mein Verhalten und würde es am liebsten rückgängig machen. Geht aber nicht. Ist ja klar. Statt mich zu entschuldigen, bleibe ich dann aber häufig trotzig bei dem, was ich gesagt habe. Es tut mir zwar Leid, aber irgendwie fällt es mir leichter, die beleidigte Leberwurst zu spielen und so zu tun, als wäre ich im Recht.
Diese Eigenschaft mag ich überhaupt nicht an mir. Ein Streit dauert so viel länger und ich habe die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen.
Deshalb will ich da an mir arbeiten. Vielleicht kann ich nicht verhindern, dass ich ab und zu mal was fieses sage, aber ich kann danach anders damit umgehen. Wenn im Streit die Emotionen hochkochen ist das schwer. Deswegen will ich versuchen, in solchen Situationen einen klaren Kopf zu behalten. Einmal durchatmen und mir klar machen, worum es geht. Dann merke ich, dass meine fiese Bemerkung es eigentlich nicht wert ist, dass wir weiter darüber streiten.
»Wer ist mein Nächster?« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 13.11.2017 gesendet.
Vor einiger Zeit gab es ein schweres Erdbeben in Mexiko. Die Bilder habe ich noch immer im Kopf. Leute, die verzweifelt auf der Straße herumrennen, weinen und schreien. Zwischen eingestürzten Häusern wissen sie nicht wohin. Manche sind bestimmt gerade noch so aus einem der Häuser gerannt, bevor es eingestürzt ist. Wenn ich diese Bilder sehe, bekomme ich Gänsehaut. Und überlege, was ich wohl in einer solchen Situation machen würde.
Mich hat beeindruckt, wie dort dann aber manche Leute reagiert haben. Sie haben sich selbst gerettet und dann sofort versucht anderen zu helfen. Manche haben sogar gleich damit angefangen, in den Trümmern nach anderen Überlebenden zu suchen. Echt verrückt. Kaum sind sie mit dem nackten Leben entkommen, sehen diese Leute sofort, dass andere Menschen um sie herum Hilfe brauchen. Und das ist noch nicht alles. Viele Leute haben Essen, Kleider und Medikamente gespendet und verteilt. Sie haben Menschenketten gebildet und so Decken und Essen zu den Menschen transportiert, die es dringend brauchen. Mir ist es vorgekommen, als würde die ganze Stadt helfen. Jeder jedem. Solche Bilder geben mir Mut. Und ich frage mich: wem kann ich helfen?