»Ohne Wenn und Aber« von Anna R.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 15.06.2018 gesendet.
Vor ein paar Wochen hab ich ne Frist verpasst. Ich hab vergessen, mich von einer Prüfung abzumelden und als es mir wieder eingefallen ist, war´s zu spät. Ziemlich ärgerlich: Ich hatte keine Zeit zu lernen und bin natürlich durchgefallen.
Weil ich mich so über mich selbst geärgert hab, ist es mir schwer gefallen, es meinen Eltern zu sagen. Ich hatte Angst, dass sie enttäuscht sind oder sauer.
Schließlich zahlen sie dafür, dass ich meine Ausbildung machen kann.
Und wenn ich wegen sowas länger brauche oder schlechter abschneide, ist das natürlich Mist.
Als ich´s ihnen gesagt habe, waren sie aber überhaupt nicht enttäuscht.
Klar, sie waren auch nicht begeistert, aber es war einfach ok.
Das hat sich richtig gut angefühlt. Dass sie nicht von mir erwarten, dass ich perfekt bin. Meine Eltern stehen hinter mir, auch wenn ich einen Fehler mache. Ohne Wenn und Aber. Das tut richtig gut.
»Tagesrückblick« von Anna R.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.06.2018 gesendet.
Manchmal fällt es mir ganz schön schwer, abends einzuschlafen. Vor allem, wenn ich gerade eine stressige Zeit hab. Wenn tagsüber viel passiert ist und ich weiß, dass am nächsten Tag auch wieder viele Termine anstehen. Dann hilft es, wenn ich mir noch einen Augenblick Zeit nehme: Ich lasse den ganzen Tag an mir vorüberziehen. Ich denke daran, wie ich aufgestanden bin und was ich den Morgen über gemacht habe. Ich denke an die Menschen, die ich getroffen habe. Und ich achte darauf, wie ich mich gefühlt hab. Wann ich glücklich war, aber auch worüber ich mich geärgert habe.
Manchmal denke ich dabei auch an Gott. Ich danke ihm für das, was gut gelaufen ist. Und ich bitte ihn, mir zu helfen, damit ich das, was schief gegangen ist, in Zukunft besser machen kann.
Wenn ich so, den ganzen Tag betrachte, muss ich mich später nicht herumwälzen, weil mir noch tausend Gedanken durch den Kopf schwirren. Ich werde innerlich ruhig. Und ich hab Vertrauen, dass ich auch am nächsten Tag nicht alleine bin. Weil Gott mich begleitet.
»Mein Körper« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 13.06.2018 gesendet.
Ich stehe vor dem Spiegel und denke: 5 bis 10 Kilo weniger wären auch ganz gut…
Ich habe über den Winter mal wieder so kleine Fettreserven angesetzt. Mich ärgert das.
Ich weiß, mir sollte das egal sein. Wichtig ist, dass ich gesund bin und mich meistens in meinem Körper wohl fühle. Ich denke, ich sollte meinen Körper nicht einfach als „schön“ oder „hässlich“ klassifizieren. Ich kann versuchen, meinen Körper anders zu sehen. Mein Körper spiegelt mein Leben physisch. Ich habe zum Beispiel eine Narbe an der Schulter. Ich bin mit dem Fahrrad gestürzt und auf die Schulter gefallen. Eine Narbe ist geblieben.
Wenn ich besonders gestresst bin, wird meine Haut schlecht oder ich bekomme dunkle Augenringe. Damit kann mir mein Körper zeigen, ich sollte nen Gang zurückschalten.
All diese Beispiele zeigen mir: Mein Körper ist nicht dafür gemacht, immer gut auszusehen. Er kann sich dafür an viele verschiedene Situationen anpassen. Diese Eigenschaft muss mich nicht in eine tiefe Krise stürzen. Ich kann es auch positiv sehen: Mein Körper ist ein Geschenk, das mich gut durchs Leben trägt. Und dieses Leben hinterlässt zwangsläufig Spuren. Mal bin ich dicker, mal dünner, mal habe ich viel Ausstrahlung und manchmal sehe ich erschöpft aus. Aber mein Körper spiegelt mein Leben.
»Heilig« von Anna R.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 12.06.2018 gesendet.
Vor einiger Zeit hab ich einen Christen aus dem Irak kennengelernt. Wir sind uns bei einem Jugendtreffen in der Kirche begegnet. Er ist nur zwei Jahre älter als ich, aber er hat schon einiges erlebt: In seiner Heimat hat er seinen Glauben nicht frei leben dürfen. Wenn er dort geblieben wäre, hätte er so tun müssen, als wäre er kein Christ. Er hätte nicht sagen dürfen, dass er an Jesus glaubt, weil ihn das in Gefahr gebracht hätte.
Er hat entschieden, dass er so nicht leben kann. Sein Glaube ist ihm einfach zu wichtig. Dass er Christ ist, gehört so sehr zu seinem Leben dazu, dass er lieber aus seiner Heimat weggegangen ist. Und das ohne zu wissen, ob er jemals wieder zurückgehen kann oder ob er seine Freunde wiedersieht. Mich beeindruckt das. Weil ich nicht weiß, ob ich alles zurücklassen könnte.
Mit seiner Geschichte ist er für mich ein Vorbild. Er lässt nicht von anderen verbiegen und steht für seine Überzeugung ein. So wie ihn stell ich mir einen Heiligen vor.