»Transgender« von Anna R.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 12.08.2018 gesendet.
Ich bin eine Frau und ich fühle mich wohl damit. Ich spüre, dass mein Körper zu mir passt. Und seit ich mich erinnern kann, ist das schon immer so gewesen. Einem Freund von mir ist das anders gegangen. Er ist als Mädchen geboren worden. Seine Eltern haben ihm einen weiblichen Namen gegeben und ihn als Mädchen erzogen. Im Laufe seines Lebens hat er aber gemerkt, dass das so nicht passt. Er hat sich eben nicht wohlgefühlt in seinem Körper und mit seinem Namen. Er wollte ein Junge sein und auch so wahrgenommen werden. Dieses Gefühl ist für ihn so existenziell, dass er nicht damit leben kann. Er hat sich entschieden, dass er den Körper will, der zu seiner Identität passt. Auch wenn der Weg dahin wirklich schwierig ist. Er muss Hormone nehmen und sich operieren lassen.
Ich selbst habe ihn noch kennengelernt, bevor er sich seinen neuen Namen gegeben hat. Für mich war es gar nicht schwer, mich an den neuen Namen zu gewöhnen. Und daran, dass er jetzt anders aussieht. Er ist noch derselbe Mensch und ich merke, dass jetzt einfach alles passt.
Und ich glaube, dass Gott es genauso sieht. Gott liebt ja nicht mein Äußeres, sondern die, die ich bin. Meine Person. Und genauso liebt er auch meinen Freund.
»Gehalten werden« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 11.08.2018 gesendet.
Heute besuche ich meine Nichte zum ersten Mal. Sie ist knapp zwei Wochen alt. Ich spiele mit ihr, soweit es geht und blödel etwas mit ihr rum – mache Faxen und ziehe ein paar Grimassen. Es ist schön zu sehen, wie sie jeden anlächelt und darauf reagiert, was ich mache.
Als wir auf dem Sofa sitzen, darf ich die Kleine auch einmal auf meinen Arm nehmen. Ich bin stolz, dass ihre Eltern mir so vertrauen und sie mich halten lassen.
In diesem Moment brauche ich nichts Anderes und kann auch nicht mehr wirklich dem Gespräch folgen, da sind nur meine kleine Nichte auf meinem Arm und ich. Es ist mir bewusst, dass ich jetzt in diesem Moment die volle Verantwortung für die Kleine trage, weil ich sie auf meinem Arm habe. Das ist ist ein schönes Gefühl.
Auch wenn ich das nicht immer so spüre, habe ich diese Verantwortung auch in meinem Alltag. Zuerst für mich selbst, dass ich zum Beispiel mein Leben auf die Reihe bekomme. Aber ich trage auch Verantwortung für andere. Für meine Partnerin und meine Freunde. Denn bei Menschen, die ich mag, fühle ich mich geborgen.
»Greenwashing« von Anna R.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 10.08.2018 gesendet.
Manchmal gehe ich einkaufen, stehe vor den Regalen im Supermarkt und bin einfach überfordert. Ich will nämlich nur Produkte einkaufen, die unter guten Bedingungen hergestellt worden sind. Bei Schokolade achte ich da zum Beispiel auf das Fair-Trade-Siegel, weil ich will, dass die Menschen, die den Kakao für meine Schokolade ernten, genug verdienen. Und bei Obst und Gemüse darauf, dass es aus der Region kommt, weil das besser für die Umwelt ist, als wenn es eingeflogen wird.
Aber vor ein paar Tagen habe ich ein Video über diese Siegel gesehen. Die Filmemacher haben aufgedeckt, dass viele Firmen die Standards dafür gar nicht einhalten. Manchmal gründen sie einfach selber eine Siegelfirma, die sie dann zertifiziert. Das nennt sich Greenwashing. Konzerne geben vor, dass sie umwelt- und menschenfreundlich produzieren, tun aber das Gegenteil. So führen sie mich als Kundin hinters Licht. Ich kann ja gar nicht überblicken, was ein bestimmtes Produkt mit der Umwelt anrichtet oder wer wieviel daran verdient. Vielleicht liegt der Fehler ja schon darin, dass ich mich überhaupt zwischen fairer und unfairer Schokolade entscheiden kann.
In meinem Privatleben kann ich da nicht viel machen. Deshalb habe ich mir vorgenommen, mich politisch zu engagieren. Wenn genug Menschen öffentlich Druck machen, ist die Politik gezwungen zu handeln. Vielleicht können Konzerne so gesetzlich verpflichtet werden, die Versprechen, die sie geben, auch wirklich einzuhalten.
»Apps als Aufmerksamkeitskiller« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 09.08.2018 gesendet.
Wenn ich unterwegs bin, sehe ich viele Menschen, die pausenlos auf ihr Smartphone starren. Egal ob sie an der Bushaltestelle stehen, auf dem Gehweg unterwegs sind oder mit Freunden irgendwo sitzen. Immer ist das Smartphone dabei und reißt die Aufmerksamkeit an sich. Für die Umgebung und die Mitmenschen fehlt die dann natürlich. Aber woran liegt das? Warum zieht das Ding so viel Aufmerksamkeit?
Einige ehemalige Mitarbeiter von beispielsweise Google, Apple oder Twitter würden darauf sagen: weil Apps abhängig machen wie Glücksspielautomaten. Jeder Benutzer hofft immer wieder auf neue Benachrichtigungen, Likes und Kommentare. Das macht abhängig. Der Erfinder des Like-Buttons von Facebook hat deswegen zum Beispiel auf seinem eigenen Smartphone die Kindersicherung an. So kann er keine Apps runterladen.
Ich finde, deswegen muss ich jetzt mein Smartphone nicht gleich wegwerfen. Oft ist es ja nützlich und hilft mir weiter. Aber ich will selbst entscheiden, wann ich abgelenkt werde und wann nicht. Deswegen habe ich jetzt alle Push-Benachrichtigungen abgestellt, mein Smartphone ist still, vibriert und blinkt nicht. Ich nutze es, wann ich will und bekomme mit, was um mich herum passiert. Ohne Smartphone in der Hand treffe ich zufällig wieder Leute, die ich sonst gar nicht bemerkt hätte und ich kann mich mit Freunden, die dabei sind, normal unterhalten.