»Lichtermeer« von Nadja   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 23.05.2017 gesendet.
Morgen Abend beginnt der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin. Beim Kirchentag treffen sich alle zwei Jahre über 100.000 Menschen. Ich war schon ein paar Mal dabei. Und auch dieses Jahr bin ich wieder mit dabei!
Ganz besonders mag ich die Eröffnungsfeier. Die läuft immer ähnlich ab. Zuerst finden verschiedene Open-Air-Gottesdienste und ein Straßenfest statt. Da gibt’s immer gute Musik und leckeres Essen. Später am Abend treffen sich alle an einem Platz. Dort gibt es Unmengen Kerzen. Alle auf dem Platz bekommen ihre eigene und zünden sie an.
Das ist immer mein Lieblingsmoment. Das sieht nämlich mega krass aus. Wie ein riesiges Lichtermeer.
Das Lichtermeer erinnert mich dann an was aus der Bibel. Da sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt. Wer zu mir gehört, ist auch im Licht.“ Viele auf dem Kirchentag sind Christen. Da treffen sie sich. Wollen über die Zukunft der Kirche diskutieren und sich austauschen. Und sie wollen natürlich ihren Glauben feiern. Deswegen finde ich den Kirchentag mega geil.
Ich freue mich einfach schon total auf morgen Abend. Da bin ich ein Licht im Lichtermeer. Feiere meinen Glauben. Und viele andere feiern mit.
»Liebe ist kein Verbrechen« von Christina   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 22.05.2017 gesendet.
Neulich habe ich ein Video gesehen. In dem werden zwei Männer auf der Straße angegriffen. Nur weil sie Händchen halten. Das war zwar nicht in Deutschland. Aber es wurde mir wieder was klar. Für Homosexuelle ist es in manchen Ländern echt hart. Da kommen sie zum Teil ins Gefängnis oder werden sogar getötet. Ich finde das echt krass. Ich frag mich dann immer, warum Liebe ein Verbrechen sein soll.
Hier bei uns in Deutschland ist Homosexualität zum Glück nicht mehr illegal. Trotzdem kommen nicht alle damit klar, wenn jemand homosexuell ist. Auch manche Christen nicht. Und es stimmt schon. In der Bibel steht, dass Männer zum Beispiel nicht miteinander schlafen sollen. Aber da steht auch, dass sich Männer nicht rasieren sollen. Rasieren ist heute aber natürlich total ok. Deswegen sind für mich andere Sachen aus der Bibel viel wichtiger. Zum Beispiel: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“ Und dass die Liebe über allem stehen soll.
„Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“ Danach versuche ich zu leben. Für mich heißt das, dass ich andere akzeptieren soll. Egal wie sie sind. Egal wen sie lieben. Schließlich sucht sich ja niemand aus, homosexuell zu sein. Deshalb bin ich überzeugt, dass Liebe kein Verbrechen sein kann.
»Sympathievorsprung« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 21.05.2017 gesendet.
Ich sitze in der Bahn und werde penetrant von einem Kleinkind angestrahlt, das mir gegenüber im Kinderwagen sitzt. Ich schaue mich um – da ist niemand anderes, es grinst mich an. Ich muss es einfach auch anstrahlen und fange an, über die Entfernung mit ihm zu spielen. Ich verstecke mein Gesicht hinter der Handtasche und schaue dann das Kleinkind verdutzt an. Es kreischt vor Lachen. Nach wenigen Minuten schauen uns auch einige andere zu. Alle freuen sich über dieses gut gelaunte Kind.
Kleine Kinder haben ganz oft keine Berührungsängste Fremden gegenüber. Sie geben einen Sympathievorsprung. Sie sind offen, ohne dass sie einen kennen. Klar, diese absolute Offenheit kann für Kinder auch gefährlich sein. Deswegen versuchen Eltern, ihnen eine gewisse Distanz zu anderen Menschen anzuerziehen. Aber ich bin jetzt doch eigentlich groß genug um auf mich aufzupassen. Ich könnte eigentlich versuchen, zu dieser Einstellung zurück zu gehen. Ich könnte zum Beispiel anfangen, den Leuten, die mit mir an der Kasse im Supermarkt stehen, mal offen und freundlich zu begegnen. Small-Talk halten oder jemanden anlächeln. Eben wie viele Kinder. Es weckt doch auch Freude, wenn Erwachsene sich gegenseitig anlächeln.
»Selbstwerdung« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 20.05.2017 gesendet.
Es gibt diesen oft zitierten Spruch: „Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein wie andere mich gerne hätten.“ Irgendwie stimmt das und irgendwie stimmt es auch wieder nicht. Klar, ich will mein Leben so führen, wie ich es für richtig halte und will nicht nur die Erwartungen von anderen erfüllen. Ich kann selbst entscheiden, wann ich sauber mache oder ob ich pünktlich sein will. Und am wohlsten fühle ich mich auch, wenn ich mich nicht verstellen muss und so sein kann, wie ich bin.
Andererseits heißt das aber auch, dass andere ziemlich sicher auch nicht so sein wollen, wie ich sie haben möchte. Ich muss also anderen Menschen genau dasselbe zugestehen und es aushalten, wenn sie nicht so sind, wie ich es erwarte. Sie dürfen auch unpünktlich sein und eine andere Meinung haben als ich.
Wenn ich diesen Mittelweg suche, merke ich auf jeden Fall schon mal, dass sich die Welt nicht nur um mich dreht und es auch andere gibt, die genau so sich selbst sein wollen wie ich. Auf diese Menschen will ich genauso Rücksicht nehmen, wie ich es für mich erwarte. Vielleicht kann ich sogar erst dadurch so werden, wie ich eigentlich sein will.